Warteschlange von Otto Schober im Januar 01
Freitag Vormittag kaufe ich ein, doch leider bin ich nicht allein. Denn neben mir drängeln sich viele Und alle mit dem selben Ziele: Möglichst günstig einzukaufen, gar manche um die Ware raufen. Meistens geht es freundlich und auch sehr höflich zu, doch an der Kasse ist es vorbei mit der Ruh. Da wird geschubst und oft arg gedrängelt und sich auch mal schnell vorbei geschlängelt. Ein Mal nur kurz nicht aufgepasst, schon hat man den Anschluss verpasst. Das Warten fällt nicht immer leicht, dann fallen Sprüche oft sehr seicht: „Wie lange sollen wir noch warten? Man merkt, dass sie hier am Personal sparten.“ „Ja, geht es denn nicht schneller“, hört man von hinten so manchen Beller. „Nach menschlichem Ermessen dauert es zu lange“, meint eine vornehme Dame und mir wird bange. Nach menschlichem Ermessen? Das hat bei mir gesessen. Hab ich mich hier verlaufen? Wollte ich gar nichts kaufen? Wird hier in der Schlange Marktwirtschaft erforscht, nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten herumgehorcht? Zum Glück sehe ich vor mir meinen Einkaufswagen, kurz vor dem Laufband höre ich noch einen fragen: Dürfte ich mal schnell vorbei, mir ist dies mittlerweile einerlei. Denn weil ich hier in dieser Zeit so viel gehört, mich so ein kleiner Zwischenfall nicht mehr stört. Die Kassiererinnen sind freundlich wie immer, doch wir Kunden werden immer schlimmer. Steigern uns hinein in Hektik und Frust, verlieren noch am Einkaufen die Lust. Darum kann ich uns nur allen raten, lernen wir doch wieder das Warten.
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